Shell motif Camino de Santiago

The pilgrimage routes to
Santiago de Compostela
in pictures

Shell motif
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Der Camino

Als wir los gingen, wussten wir nicht genau, warum.
Unser Leben war -mehr oder weniger- zufriedenstellend.
Wir hatten Freunde, die wir schon lange kannten.
Wir hatten Kinder - verwandelt von Larven zu Schmetterlingen.
Wir hatten Vielerlei: Geräte,
Musik,
Bilder,
Regale voll mit Büchern,
Geld und eine gute Rente mit finanzieller Sicherheit.
Etwas hatten wir nicht - vielleicht war das der Grund, warum wir gingen.

Als wir los gingen, setzten wir einen Fuß vor den anderen.
Und wussten immer noch nicht genau, warum.
Die Kilometer vergingen - viele davon angenehm.
Unsere Füße bekamen Blasen, die nur langsam verheilten.
Wir verstauchten unsere Knöchel beim Gehen über holprige Steine.
Regen durchnässte uns bis auf die Haut.
Kälte drang bis auf die Knochen.
An manchen Abenden war es nicht leicht ein Bett zu finden.
An manchen Tagen gab es keinen Brunnen während langer, staubiger und heißer Kilometer.

Als die ersten von vielen und langen Tagen vorüber waren, merkten wir - ohne Worte - dass wir nicht länger zusammen gingen.
Dass, wenn zusammen, wir als Individuen sprachen - und oft über Dinge, die wir hinter uns gelassen hatten, als wir los gingen.
Dass, wenn zusammen, wir neue Erfahrungen durch unser Zusammensein nicht zuließen.
Wenn allein, dann waren wir offen - hatten Interesse und Neugier.
Oft trafen wir uns am Ende des Tages mit Freude.
Das Wissen, dass wir auf demselben Weg unterwegs waren, war genug.

Als wir zur Kathedrale kamen, setzten wir uns.
Wir sahen - durch die Augen derjenigen, die schon lange vor uns hier gewesen waren, den blinden Glauben, den überwältigenden Durst nach Erlösung.
Wir zählten, wie oft wir unterwegs gesegnet worden waren.
Angefangen mit der Freundlichkeit der Leute am Weg und mit der Wärme der anderen Pilger.
Pilger so ganz anders als wir, von Alter, Herkunft und Interessen.
Aber mit Wärme, die diese Gegensätze überbrückt.
Wärme, die mit der Freundschaft und der Liebe endet, die wir hinter uns gelassen hatten, als wir los gingen.

Als wir zum Meer kamen am Ende der Welt, setzten wir uns bei Sonnenuntergang an den Strand.
Wir wussten, warum wir los gegangen waren:
Um zu erfahren, dass unser Leben weniger wichtig ist als ein Sandkorn.
Um zu erfahren, dass wir die Dinge, die wir daheim gelassen hatten, nicht brauchen.
Um zu erfahren, dass wir trotzdem zu ihnen zurückkehren würden.
Um zu erfahren, dass wir da sein müssen, wo wir hin gehören.
Um zu erfahren, dass Güte, Freundschaft und Liebe alles ist, was man braucht.
Um zu erfahren, dass diese lange Reise am Ende gar nicht notwendig war, um all das heraus zu finden.
Um zu erfahren, dass sie uns auf jeden Fall dabei half.


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